Der Abend folgt einem festen Ablauf, den alle kennen

Silvesterbräuche in Barcelona und Katalonien

Silvester heißt in Spanien Nochevieja, „alte Nacht“, auf Katalanisch Nit de Cap d'Any. Wer als Gast dabei ist, merkt schnell: Der Abend folgt einem festen Ablauf, den alle kennen — und an dem man ohne Vorwissen scheitert, spätestens bei den Trauben.

Nahaufnahme von hellen und dunklen Weintrauben, dicht an dicht
Zwölf Trauben, zwölf Glockenschläge, etwa drei Sekunden Abstand. Die Dosen aus dem Supermarkt sind keine Touristenlösung, sondern die übliche.
Las doce uvas de la suerte

Die zwölf Weintrauben

Der wichtigste Brauch des Abends heißt las doce uvas de la suerte, die zwölf Glückstrauben. Zu jedem der zwölf Glockenschläge um Mitternacht wird eine Traube gegessen. Wer alle zwölf im Takt schafft, hat der Tradition nach ein glückliches Jahr vor sich.

Das klingt harmloser, als es ist. Die Schläge folgen in Abständen von etwa drei Sekunden aufeinander — es bleibt keine Zeit zum Kauen, und die meisten Erstteilnehmer scheitern bei Traube sieben oder acht.

Wie ihr euch vorbereitet:

Der Brauch ist jünger, als er wirkt. Er verbreitete sich Anfang des 20. Jahrhunderts, populär gemacht durch Traubenbauern aus dem Südosten Spaniens, die eine Rekordernte absetzen mussten.

Geschenkt und zum ersten Mal getragen

Rote Unterwäsche

Der zweite Brauch, an dem in den Tagen vor Silvester kein Marktstand vorbeikommt: rote Unterwäsche bringt Glück im neuen Jahr. In den Wochen vor dem Jahreswechsel hängt sie in den Schaufenstern der Innenstadt, an den Ständen rund um die Markthallen und in jeder Drogerie.

Zwei Regeln gehören dazu, die man wissen muss, wenn man mitmacht: Das Stück soll geschenkt sein, nicht selbst gekauft — und es soll in der Silvesternacht zum ersten Mal getragen werden. Wer beides bricht, hat nach der Überlieferung nichts gewonnen.

Was um Mitternacht auf dem Tisch steht

Cava, Cotillón und der Goldring

Cava ist der katalanische Schaumwein aus dem Penedès südwestlich von Barcelona — und um Mitternacht Pflicht. Ein guter Cava Brut Nature aus der Region kostet im Supermarkt weniger als ein mittelmäßiger Prosecco.

Cotillón ist die Tüte mit Partyhütchen, Masken, Konfetti und Luftschlangen, die in Restaurants und Clubs kurz vor Mitternacht verteilt wird. Sie gehört zum Abend wie das Menü.

Der Goldring im Glas ist ein regional verbreiteter Zusatzbrauch: Ein Ring wird ins Cavaglas gelegt und mitgetrunken, beziehungsweise vorher wieder herausgefischt — für ein Jahr voller Wohlstand.

Der Brauch, den es nur in Katalonien gibt

L'Home dels Nassos

Der einzige Brauch dieser Liste, den es nur in Katalonien gibt — und ein guter Grund, den 31. Dezember schon am Vormittag zu beginnen.

L'Home dels Nassos, der „Mann mit den Nasen“, hat der Legende nach so viele Nasen, wie das Jahr Tage hat. Weil er sich erst am letzten Tag des Jahres zeigt, ist ihm nur noch eine geblieben — und genau das ist der Witz, den Erwachsene katalanischen Kindern seit Generationen nicht verraten. Die Kinder ziehen los und suchen ihn in der Stadt.

In Barcelona ist die Figur ein capgròs, ein Großkopf, der am 31. Dezember durch die Altstadt zieht, an der Plaça Sant Jaume auftaucht und symbolisch die Schlüssel zum neuen Jahr übergibt. Mehrere Stadtteile, darunter Poblenou, haben eigene Umzüge mit Musik und Schokolade. Für Familien ist das der schönste Programmpunkt des Tages — mehr dazu unter Mit Kindern.

Eigene Figuren, eigener Bescherungstag

Was in Katalonien anders ist

Katalonien feiert Weihnachten mit eigenen Figuren, die den Dezember prägen und bis in die Silvestertage sichtbar bleiben:

Der eigentliche Bescherungstag ist in Spanien nicht der 24. Dezember, sondern der 6. Januar, der Dreikönigstag. Der Abend davor gehört der Cavalcada dels Reis, dem Umzug der Heiligen Drei Könige.

Trauben, rote Wäsche und Cotillón

Häufige Fragen

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